Feigen-Töne, mutige Vorhänge, ein moderner Betthimmel und Kissen, die den Hall schlucken: Vier Themen aus der aktuellen Ausgabe stellen wir Ihnen hier vor.
Warum wollen wir uns im Herbst eigentlich mit anderen Dingen umgeben als im Sommer? Weil wir, allen Heizungen und Smartphones zum Trotz, noch immer Kinder der Jahreszeiten sind. Die Wohnpsychologie bestätigt: Wer die Veränderungen draussen im eigenen Daheim aufgreift, unterstützt seinen Biorhythmus. Kleine Wechsel bei Vorhängen, Kissen und Accessoires bringen ausserdem frischen Wind in den Alltag und lassen Lieblingsstücke besonders bleiben – gerade, weil sie nur zu einer bestimmten Zeit im Jahr hervorgeholt werden.
Das Fest der späten Farben: Feige trifft Antique Nature
Violett, Altrosa und Olivgrün: Die Farben der Feige prägen diesen Herbst. Sie beruhigen das Auge nach den hellen Sommerwochen und machen Räume spürbar wärmer.
Damit der Look nicht überladen wirkt, braucht er Bodenhaftung. Die liefert der Stil Antique Nature – sozusagen die europäische Schwester der japanischen Wabi-Sabi-Philosophie. Hier dürfen Dinge Patina tragen, ehrlich gealtert und trotzdem edel sein. Typisch sind gewaschenes Leinen und Samt, handgetöpferte Keramik mit rauer Oberfläche und getrocknete Disteln oder Eukalyptuszweige statt frischer Sommerblumen.
Das Schöne daran: Es braucht keine neue Einrichtung. Schon ein tiefviolettes Samtkissen zwischen sandfarbenen Leinenkissen, kombiniert mit einem Plaid in Altrosa, verwandelt das Sofa. Wer am Fenster ansetzen möchte, wählt bodenlange Vorhänge in Feigen-Tönen und kombiniert sie mit hellen, halbtransparenten Vorhängen in Sand oder gebrochenem Weiss. Als Gegenspieler zu Aubergine, Rosé und Oliv glänzen Messing, Kupfer und Gelbgold – etwa bei Kerzenhaltern und Schalen.
Mut zum Boss-Vorhang
Im Musterbuch verliebt man sich sofort – und greift am Ende doch zum sicheren Unistoff. Schade eigentlich. Denn Vorhänge mit grossen Mustern oder kräftigen Strukturen sind echte Raumkünstler: Sie brechen die geraden Linien von Wänden und Möbeln und geben dem Raum Tiefe. Wir nennen sie gerne «Boss-Vorhänge», denn sie spielen im Raum die Hauptrolle. Damit das harmonisch wirkt, helfen drei Regeln:
- Farbbrücken bauen: Ein bis zwei Farben aus dem Vorhang tauchen in Kissen, Teppich oder Sessel wieder auf.
- Ruhe drumherum: Angrenzende Wände bleiben neutral, etwa in Creme, Sand oder einem milden Schilfgrün. Ein schlichter Unistoff dahinter rahmt das Muster zusätzlich ein.
- Proportionen beachten: Grosse Muster brauchen Raum und Länge. Der Vorhang reicht idealerweise von ganz oben bis zum Boden – und kein wuchtiges Möbel steht davor.
Und der Mustermix? Ist erlaubt, solange die Begleiter kleiner und aus derselben Farbfamilie sind. Ein grosses Blattmotiv am Fenster verträgt sich wunderbar mit feinen Blümchen auf dem Kissen oder dezenten Nadelstreifen auf dem Plaid.
Himmlisch schlafen: das Comeback des Betthimmels
Bei Himmelbetten denken viele an Schlossgemächer, Rüschen und schweren Samt. Dabei hatte der Betthimmel ursprünglich ganz praktische Gründe: In den zugigen Räumen des Mittelalters hielten die Stoffbahnen kalte Luft fern und schufen Privatsphäre. Heute erlebt er ein überraschend modernes Comeback – minimalistisch, lässig oder romantisch, ganz ohne Kitsch.
Der Effekt ist erstaunlich: Ein Betthimmel grenzt die Schlafzone ab und vermittelt ein Gefühl von Geborgenheit, fast wie eine kleine Höhle. Die Textilien dämpfen Geräusche, halten Licht fern und spenden im Winter zusätzliche Wärme. Entscheidend ist der Stoff: luftiger Voile für den Look, Thermostoff für Wärme, Dimout oder Blackout für absolute Dunkelheit.
Es muss nicht gleich ein neues Bett sein. Eine Vorhangschiene oder Stange an der Decke über dem bestehenden Bett genügt. Die wichtigste Regel für einen zeitgemässen Auftritt: Weniger ist mehr.
Das grosse Kissen-Ranking: Wer schluckt den Hall?
Kissen machen das Sofa gemütlicher, bringen Farbe ins Spiel – und verbessern ganz nebenbei die Raumakustik. Denn jedes Textil im Raum zählt. Doch nicht jedes Kissen ist gleich talentiert. Unser Akustik-Ranking, mit einem Augenzwinkern:
- Teddy, Faux Fur und grobes Strick: Der klare Sieger. In der flauschigen, tiefen Struktur verlieren sich die Schallwellen buchstäblich.
- Bouclé und Samt: Die Luxusklasse. Schlingen und Flor bremsen die Luftbewegung – und fühlen sich obendrein herrlich an.
- Wolle und Leinen: Das solide Mittelfeld mit natürlichem Charme, besonders mit fester Füllung.
- Glatter Satin aus Kunstfaser: Schön anzusehen, akustisch eher Statist.
- Leder: Der Schall prallt ab wie ein Gummiball an der Hauswand.
Übrigens: Im Kissen wird Schall tatsächlich zu Wärme. Die Reibung an den Fasern wandelt die Energie um – messbar ist das allerdings kaum. Und niemand muss sein Lederkissen verbannen. Kombiniert mit zwei flauschigen Bouclé- oder Teddy-Kissen entsteht ein spannender Materialmix für Auge und Ohr.
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